Wie schnell müssen sich KMU digitalisieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

Interview mit Stefan Schneider, Geschäftsführer, pco – Personal Computer Organisation GmbH & Co. KG

„In der Logistik trägt Digitalisierung zur Prozessoptimierung bei, wenn gefühlte Werte belastbaren Daten weichen.“

1. Warum engagieren Sie sich in der Innovation Alliance?

Für mich ist die Innovation Alliance ein Zukunftsmodell von Unternehmertum, welches eine Zusammenarbeit von Firmen mit einem sich teilweise überschneidenden bzw. einem aneinander angrenzenden Portfolio ermöglicht. Außerdem bin ich der festen Überzeugung, dass das Thema „Digitalisierung“ so vielfältig ist, dass es von keinem Unternehmen auf der Welt alleine beherrscht werden kann. Zusammen als Kompetenzverbund können wir mehr erreichen und unseren Kunden einen umfassenderen Service bieten.

2. Welche Erfahrungen haben Sie im Bereich Digitalisierung?  

Wir beschäftigen uns seit über 20 Jahren mit den verschiedenen Facetten der Digitalisierung. Aus dem Bereich der Logistik kommend, haben wir unser Know-how in den letzten Jahren um die Bereiche Produktion und Instandhaltung mit Schwerpunkt auf die Themen Technologie (IoT, RFID, AutoID, Security) und Beratung erweitern. Unsere Projekte reichen von technologiegetriebene Prozessoptimierung für mittelstandsgeprägte Unternehmen (500-5000 Mitarbeiter) bis hin zu Workshops, mit dem Fokus auf zukünftige Geschäftsmodelle.

3. Was ist Ihre Zukunftsvision vom Mittelstand 2050?

Ich bin überzeugt, dass wir weiterhin einen sehr erfolgreichen Mittelstand erleben werden, der sich jedoch über die nächsten drei Jahrzehnte an einigen Stellen massiv verändern wird. Insbesondere in den drei Bereichen Menschen &Personal, Geschäftsmodelle und Technologien. Mitarbeiter und Führungskräfte werden neue Anforderungen gestellt. HR und Recruiting müssen sich anders ausrichten und neue Strategien entwickeln, um weiterhin Fachkräfte für Ihr Unternehmen zu gewinnen. Auch die Geschäftsmodelle werden sich wandeln, was sich insbesondere im „Partnering“ und in Prozessen spiegeln wird. Durch neue Technologien werden Prozesse agiler, effizienter und auch günstiger, gleichzeitig wird die Verantwortung im Umgang mit diesen Technologien größer.

4. Welche Bedeutung hat Digitalisierung Ihrer Einschätzung nach für den deutschen Mittelstand?

Kein Mittelstandsunternehmen in Deutschland wird in den kommenden fünf Jahren erfolgreich sein können, wenn er sich dem Thema Digitalisierung nicht stellt. Wichtig ist es hierbei, die Wertschöpfung, die mit der Digitalisierung einhergeht, auszuarbeiten und immer wieder zu überprüfen.

5. Welche Vorteile können mittelständische Unternehmen aus der Digitalisierung ziehen?

Vorteile lassen sich abteilungsübergreifend finden. Die Digitalisierung vereinfacht zum Beispiel Recruiting-Prozesse und macht das Unternehmen gleichzeitig attraktiver für Bewerber. Arbeitsplätze können in vielen Bereichen auch im Home-Office bereitgestellt werden. In der Logistikkann Digitalisierung zur Prozessoptimierung genutzt werden, wenn gefühlte Werte belastbaren Daten weichen. Gleiches gilt für die Produktion. Auch hier können vom Wareneingang über die Produktion bis zum Warenausgang anhand von digitalisierten Prozessen Daten für die Wertschöpfung des Unternehmens gewonnen werden. Weiterhin verbessert sich die Kommunikation: kostbares Prozesswissen wird einfacher auf mehrere Mitarbeiter verteilt – Stichwort Knowhow Management. Moderne Devices halten den Einzug in die Arbeitswelt und optimieren die Arbeitsplätze. Arbeitsprozesse, bei denen Mitarbeiter früher auf fünf Interfaces unterwegs waren, werden heute alle durch das eine Mobile Device abgedeckt. Das sorgt auch für eine Entlastung der Mitarbeiter. Kurz gesagt: Wer die Digitalisierung richtig angeht, verkürzt seine Produktionszeiten, reduziert seine Kosten, entlastet seine Mitarbeiter und verbessert seine Kundenkommunikation.

6. Welche Schwierigkeiten haben mittelständische Unternehmen Ihrer Erfahrung nach mit der Digitalisierung?

Bei Unternehmen, die im 4-Schichtsystem arbeiten mit extrem hohen Margen und gleichzeitigem Fachkräftemangel, ist das Thema Digitalisierung häufig erstmal nur eine weitere Belastung und wird gerne nach hinten geschoben. Was wir ebenfalls antreffen sind Strukturen, die wenig Raum für neue Arbeitsweisen und Denkrichtungen lassen. Das verzögert oft den Start in die Digitalisierung. Neben dem Aufschub kann auch ein falsches Verständnis der Digitalisierung ein Hemmschuh sein. Eine häufige Wahrnehmung ist beispielsweise: „Ich kann die Digitalisierung nicht stemmen, denn ich benötige dafür viele Ressourcen und Menschen die wir heute nicht (ausreichend) im Unternehmen haben.“ Kompetenzen kann man aber auch schaffen und Know-how kann man sich über Partnerschaften und Experten ins Unternehmen holen.

7. Gibt es eine goldene Regel, die für die Digitalisierung von mittelständischen Unternehmen gilt? Zum Beispiel wo oder wie man beginnen sollte?

Ja. Zunächst einmal sollte man Klarheit schaffen über das, was die Digitalisierung überhaupt für einen selbst und für das Unternehmen bedeutet und sich dann in kleinen Schritten, mit externen Partnern und internem Fach-Know-how Ziele stecken die in kurzen Zeitabständen umgesetzt werden können. Wichtig ist es zu beachten, dass die Digitalisierung alle im Unternehmen betrifft – von der Reinigungskraft bis zum Vorstand, daher müssen bei dem Weg in die Digitalisierung alle Mitarbeiter mitgenommen werden. Grundsätzlich ist eine Aufgeschlossenheit der Führungsetage erforderlich. Wenn der Vorstand bzw. der Inhaber oder Geschäftsführer nicht hinter dem Thema steht, kann die Digitalisierung nicht funktionieren.

8. Was wird DAS Thema der Mittelstandsdigitalisierung bis 2021?

Die große Frage, um die sich gerade alles dreht, ist die des richtigen Geschäftsmodells. Wie wird die Digitalisierung mein Geschäftsmodell beeinflussen bzw. wie muss ich es anpassen, damit mein Unternehmen auch in fünf Jahren noch erfolgreich am Markt ist?